Über Schlösser

Vor ein paar Tagen führte ich ein längeres Telefongespräch mit Steffen Wernéry, seines Zeichens Vorsitzender der Sportsfreunde der Sperrtechnik, jener Organisation, in der Larissa Mitglied ist. Steffen war es sehr wichtig darauf hinzuweisen, dass sein Verein peinlichst genau darauf achtet, keine fremden Schlösser zu öffnen, bei denen nicht die ausdrückliche Erlaubnis der Inhaber vorliegt. In der Sportordnung heißt es dazu:

  • „Du darfst nur Schlösser öffnen, die Dir gehören.“
  • „Für alle anderen Schlösser brauchst Du die Erlaubnis des berechtigten Besitzers.“
  • „Beim Öffnen sind die gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Ortes zu beachten.“

Wer diese Grundsätze nicht befolgt, wird sofort aus dem Verein ausgeschlossen.

Damit befindet sich Larissa in einer prekären Situation. Schließlich öffnet sie die Schlösser im Haus mit den Blutflecken, in Teylers Museum und im Archiginnasio nicht, um einer direkten Gefahrensituation zu entgehen, sondern um einzubrechen. Das ist ein moralisches Dilemma: Reicht die Erklärung, dass die gesamte Menschheit sich in Gefahr befindet, wenn die Vergessenen Bücher in die falschen Hände geraten, als Legitimation für ihr Handeln aus? Oder verstößt sie damit eindeutig gegen die Sportordnung ihres Vereins? Wenn man den Text der Sportordnung wörtlich nimmt, dann schon.

Ich unterstreiche deshalb gerne das, was Steffen mir gesagt hat: Das Entsperren von Schlössern ist eine reine sportliche Herausforderung. Als solche wird sie von den Sportsfreunden auch vermittelt. So wurden gerade mehrere hundert Pfadfinder in einem Sommerlager in die Grundlagen der Sperrtechnik eingewiesen.

Wer also ebenfalls Lust daran hat, der findet auf der Website der Sportsfreunde die Anschriften der bundesweiten Sport-Gruppen. Wer allerdings nur lernen will, wie man eine Türe aufbricht, der sollte lieber bei den Panzerknackern in die Lehre gehen.

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