Mein Bericht von der Buchmesse

Jetzt war ich endlich da: Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich die Frankfurter Buchmesse besucht. Und es war so, wie ich es erwartet hatte: voll, laut und eine absolute Reizüberflutung.

Bei der Anreise am Donnerstagmittag war ich noch gut gelaunt und ausgeruht. Nachdem die Koffer im Hotel abgestellt waren, fuhr ich mit der S-Bahn, die um diese Tageszeit nicht besonders voll war, zum Messegelände. Als Erstes stand ein Besuch am Stand meines Verlages arsedition auf dem Programm. Der befand sich in Halle 3.0, und die war um diese Stunde proppenvoll. Nur mühsam konnte ich mir den Weg zu meinem Ziel bahnen.

Wer erwartet, dass es auf einer Buchmesse still und gesittet zugeht, der hat sich getäuscht: An vielen Ständen herrscht ein Trubel wie auf dem Jahrmarkt. Hier sieht man deutlich, dass die modernem Marketingmethoden die oft als konservativ verschrieene Buchbranche erreicht haben. Nach zwei Stunden in diesem Getöse flüchtete ich mich in Halle 4.2, wo Bücher zum Thema Wissenschaft und Technik präsentiert wurden. Hier war es wohltuend leiser, die Gänge waren leer und man musste nicht eine halbe Stunde für einen Kaffee anstehen. Auch das Auge konnte sich erholen, denn mathematische oder juristische Fachbücher haben (in der Regel) weitaus weniger knallige Titel als Romane.

Um 16 Uhr musste ich dann wieder zurück in Halle 3.0, wo ich mit meiner Agentin Michaela Hanauer verabredet war. Gemeinsam grasten wir ein paar Happy Hours ab. Besuchermassen drängten sich um kostenlosen Sekt und Canapees und keilten uns dermaßen ein, dass ordentliche Gespräche nur schwer möglich waren. Ich wurde ein paar Leuten vorgestellt, die erstaunlicherweise alle den Arthur kannten. Irgendwann ertönte dann der Gong und forderte zum Räumen der Hallen auf, eine Bitte, der ich gern nachkam.

Jetzt stand noch ein Abendessen mit dem Verlag an. Wir trafen uns bei einem netten Italiener in der Nähe meines Hotels. Das Essen war sehr gut (leider auch der Wein), die Gesellschaft anregend, und so konnte ich leider erst nach ein Uhr nachts in mein Hotelbett fallen.

Am Freitag war dann Arbeiten angesagt. Nach einem schlechten und viel zu kurzen Schlaf klingelte der Wecker um 6 Uhr 45. Ich taumelte unter die Dusche, nur um festzustellen, dass es kein Heißwasser gab. Ein Anruf bei der Rezeption schuf leider keine Abhilfe. Das war ein wortwörtlich cooler Start in den Tag: Draußen Temperaturen nahe am Gefrierpunkt, drinnen eine Katzendusche mit kaltem Wasser. Entsprechend sah meine Stimmung aus.

Um 9 Uhr 30 stand zunächst ein Videodreh auf dem Programm. Der freundliche Interviewer entschuldigte sich zu Beginn gleich dafür, dass er mein Buch nicht gelesen hatte („Wir mussten kurzfristig 65 Drehs planen, das ging einfach nicht“). Entsprechend fielen auch die Fragen aus, die mich anfangs ein wenig überrumpelten. So hätte ich fast vergessen, etwas zu Larissa zu sagen und musste das, ziemlich unelegant, am Ende noch reinpressen.

Inzwischen habe ich das Interview gesehen und finde es nicht mehr ganz so schlimm – abgesehen von einer an einigen Stellen etwas willkürlichen Schnitttechnik. Aber das geht wohl nicht besser, wenn alles im Minutentakt live auf der Messe abläuft …

Anschließend ging es nach einer kurzen Pause weiter zum Buchmarkt, wo ein Foto von mir gemacht wurde, das dann wohl nach der Messe auf die Website gehievt wird.

Nach einer kurzen Pause traf ich mich anschließend mit meinen Lektorinnen, und wir besprachen ihre ersten Änderungswünsche am zweiten Arthur-Band. Da die meisten sehr vernünftig waren und das Buch sicher besser machen, fiel meine Gegenwehr recht gering aus. Um 13 Uhr 30 stand dann eine Lesung im Forum Kinder- und Jugendbuch an. Vor mir saß Kevin Brooks auf der Bühne, der am Abend den Jugendliteraturpreis erhielt – ein gutes Omen? Das war meine erste Arthur-Lesung, und ich war entsprechend nervös. Zumal die Umstände nicht besonders prickelnd sind: ein ständiges Kommen und Gehen, das Lärmen von anderen Ständen, ein kontinuierliches Grundrauschen im Hintergrund – da hilft nur Augen zu und durch. Aber es muss wohl ganz OK gewesen sein, wie mir einige Leute im Nachhinein versicherten.

Zumindest durfte ich anschließend zum ersten Mal ein paar Arthur-Exemplare und Autogrammkarten signieren, und ein paar Leute bestanden sogar darauf, ein Foto von mir zu machen. Das ging dann am Messestand von arsedition weiter. Ich wurde erneut einer Reihe von Menschen vorgestellt, und um 16 Uhr 30 war ich dann von meinen Aufgaben erlöst. Zur Entspannung marschierte ich in das Stockwerk mit den religiösen und esoterischen Verlagen, in dem sich auch jede Menge politischer Kleinstverlage präsentierten. Hier sprangen einen wenigstens keine überdimensionierten Bestseller an, sondern merkwürdige oder interessante Titel zu oftmals obskuren Themen – eine Erholung für den Geist.

An diesem Abend ging ich früh ins Bett. Am nächsten Morgen funktionierte auch die Dusche wieder, und nach einem ausgiebigen Frühstück stürzte ich mich zum letzten Mal in diesem Jahr in den Messetrubel. Diesmal ohne jede Verpflichtung oder Termine. Es war noch voller als am Vortag, denn der Samstag ist der erste offizielle Publikumstag. Hier und da sammelte ich noch ein paar Prospekte ein, aber insgesamt ist mir kaum ein Titel im Gedächtnis geblieben. Wie bereits gesagt: Reizüberflutung pur.

Jetzt weiß ich, was ich an meiner kleinen Buchhandlung habe …

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